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Sonntag, 1. Juni 2008

 

 

 

Auch in der Türkei sah ich Uhren ohne Zeiger. Sie waren aus Porzellan.
Das Werk mit den Zeigern wird nachträglich eingesetzt.

 

 

 

Treppe zum Meer und eine rote Rose, welche aus den Steinen gewachsen ist

Wieder Zuhause. Der Ort, an dem wir malten, hieß in das Deutsche übersetzt “Bittere Pampelmuse”.
Ich sah Istanbul.
Hatte Heimweh.
Andreas holte mich vom Flughafen ab.
Was habe ich mitgebracht?
Einen Sonnenbrand.
Betörend schöne lilafarbene Blüten der Bougainvillea, welche ich zwischen die Seiten meines Buches gelegt habe, um sie zu trocknen. Um sie irgendwann einmal, wenn ich dieses Buch wieder lese, ganz überraschend wiederzufinden und um mich dann an ihnen zu erfreuen. Um dadurch das Buch zu ehren. Um mich dadurch wieder an das Land zu erinnern. Seinen Duft zu atmen. Seine Farben zu sehen. Das Blau des Meeres. - An einem Tag, als wir mit dem Schiff fuhren, hatte es die Farbe von Indigo. Deine Farbe, sagte sie.
So blau war es.
Deshalb, weil ich an einem der Abende solch ein blaues Kleid trug. Und auch deshalb, weil viele meiner Skizzen in diesem Farbton gemalt waren.
Auf den unwirtlichen, zerklüfteten und steilen Felsen der Küste grasten braune und weiße Ziegen zwischen wogenden blühenden Büschen.

Die Bougainvillea, das las ich gerade, gehört zur Familie der Wunderblumengewächse. Also ist sie eine Wunderblume.
Angelika erzählte mir erstaunt, nachdem ich ihr ein Buch (es war das Buch über Tai Ji, das ich so mag) von mir zum Lesen geliehen und sie schon etwas darin geschmökert hatte, daß sie schon einmal in der Türkei war und dort einen Kurs in Wundern besucht hat. Es war nämlich so, daß der Kurs in Wundern in der Essenz ganz dem Inhalt des Buches glich, das ich ihr gegeben hatte und das sie eben ganz unerwartet wieder daran erinnert hat. Ich fragte sie dann, was das ist, der Kurs in Wundern, weil ich noch nie davon gehört hatte. Ich stellte mir vor, daß es ein Kurs ist, bei dem man wieder lernt, sich zu wundern, wie man sich einst als Kind über alles, über die Schönheit der Welt zum Beispiel, über ihre Möglichkeiten, über die Schönheit einer Blume, eines Tieres, über die Schönheit einer einzigen, eigentlich ganz unauffälligen Bewegung, also der Schönheit von allem, was ist, gewundert hat. Bei dem man wieder lernt, ganz erstaunt, mit offenen, mit wachen, mit “verwunderten” Augen in der Welt zu sein. Denn als Erwachsener hat man diese Kunst, die eine ganz reine ist, manchmal verlernt.
Safran.
Getrocknete gelbe Blüten vom Gewürzbazar, welche einen Tee für die Gesundheit der Galle ergeben.
Getrocknete Rosenknospen, ebenfalls für einen Tee.
Eine blumenbestickte Decke für das Sofa, die vollkommen bunt ist.
Zuhause lief ich durch die Wohnung. Begrüßte die Blumen. Begrüßte die Katzen. Die kleine graugetigerte Katze schmiegte sich sichtlich froh an mich. Yoda, der rote Kater, blieb bis zum Abend verschwunden. - Auf einmal waren die Rosen erwacht, üppig duftend hielten sie ihre geöffneten Blüten der schwülen Nachmittagssonne entgegen. Auf einmal ist Sommer. Die Schwertlilien strahlten. Die erste Blütenknospe der Seerose hatte sich aus dem stillen Wasser der großen blauen Emailleschale erhoben.

 

 

 

Was ist schwer? Sich selbst treu zu bleiben.
Damit meine ich, diesem “Wahren” in sich treu zu bleiben, es zu achten.
Für mich ist es schwer.
Und vielleicht ist da nicht viel Wahres.
Aber eigentlich muß es doch umgekehrt sein. Daß einem das leicht fällt. Daß es wie ein Fließen ist. Ein Fließen wird, und keine Spannung. Nicht dieses Gefühl, als wäre mein Kopf vollkommen verrückt geworden. Als wäre alles falsch, vergebens. Als hätte ich allen Anschluß, als hätte ich alles Vertrauen verloren. Und meine Seele noch dazu.
Daß, einmal angestoßen, eines das andere ergibt.

 

 

 

Montag, 2. Juni 2008

 

 

 

Nicht ich, sondern der Junge hat mein Bild gemalt, sagte ich im Traum.
Als ich durch die Nacht zum Auto ging, mit geschwollenen Beinen, duftete es traumhaft. Die Luft war lau, satt und weich. Nach Jasmin. Nach Rosen duftete es. Ich habe dort einen bunten Salat gegessen, der inmitten eines großen blauen Tellers serviert wurde. Auf dem Rand des Tellers waren in Gold die Symbole der zwölf Tierkreiszeichen gemalt.

 

 

 

Am Abend beim Clubtreffen hielt Jutta einen Kurzvortrag über ein Thema, auf das sie durch einen Zeitungsartikel der Faz im November letzten Jahres aufmerksam wurde und das sie schockiert und erschüttert hat. Es ist so, daß jede von uns stets die Möglichkeit hat, ganz spontan bei einem Treffen fünf Minuten über ein Thema, auf das sie aufmerksam wurde und das sie nun beschäftigt, also das ihr am Herzen liegt, zu sprechen, um uns das mitzuteilen.
Es war bereits kurz vor zweiundzwanzig Uhr, eigentlich wollte ich schon aufspringen um mich zu verabschieden, doch ich blieb sitzen und hörte mit den anderen schweigend und betroffen ihren Worten zu. Es ging um die Situation der Frauen im Kongo, welche gezielt - obwohl eigentlich seit 2003 offiziell Frieden im Land ist - Opfer grausamster Vergewaltigungen unter satanischen Ritualen werden. Es handelt sich hierbei um systematische Vergewaltigung als Kriegswaffe, eigentlich auch heute noch ein totgeschwiegenes, ein Tabuthema.

“Sexualisierte Gewalt gegen Frauen im Krieg ist so alt wie der Krieg selbst. Das Thema Vergewaltigung und Frauenraub durchzieht die gesamte griechische und römische Mythologie. Sie dienen der Demütigung, Erniedrigung und Zerstörung des Feindes. Ob heute im Sudan, in Tschetschenien, Kolumbien oder Indonesien oder vor fünfzehn Jahren in Bosnien, im Vietnamkrieg, beim Eroberungsfeldzug der Japaner im China der dreißiger Jahre, im Zweiten Weltkrieg durch deutsche Soldaten, in Zwangsbordellen von Konzentrationslagern oder vor 60 Jahren kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges durch sowjetische, französische oder US-amerikanische Soldaten in Deutschland (um nur einige Beispiele zu nennen).”

„Die systematischen Vergewaltigungen und Mißhandlungen der Frauen sind eine Kriegswaffe, die gezielt eingesetzt wird. Die Frauen sind der Motor der Gesellschaft, ganz besonders in Afrika; sie bestellen die Felder, ernähren die Familie und erziehen die Kinder. Mit der Zerstörung der Frau wird der Motor, das Herz des Landes zerstört.“

Die beiden Zitate sind der Web-Seite Im Schatten des Bösen nach der gleichnamigen Film-Dokumentation entnommen, auf welcher mehr Informationen zu finden sind.
Bitte lesen Sie.

 

 

 

Dienstag, 3. Juni 2008

 

 

 

 

Seit heute sind Ameisen im Wohnzimmer. Sie wandern an der Wand entlang zum Sofa hin, umrunden es, umrunden den Teppich, genau am Rand, und tummeln sich am Glasschrank. Denn darin steht auch eine Flasche Crème de Cassis aus Dijon. Es sind sehr viele. Begegnen sie sich zwei Ameisen auf ihrer Straße, betasten sie sich mit den vorderen Beinen und begrüßen sich. Wahrscheinlich erzählen sie sich, was alles in meinem Zimmer ist.

 

 

 

Mittwoch, 4. Juni 2008

 

 

 

Ich träumte, daß mir ein großer schwarzer Jeep mit roten Seitenstreifen auf der gegenüberliegenden Fahrbahn entgegenkommt. Er fährt auf der Überholspur und kommt von dort auf unsere Spur und fährt direkt auf mich zu.
Winter vor dem Haus. Ich bin draußen, im Schlafanzug. Jemand schießt mit einer Waffe auf mich. Und da ist auch eine Frau. Alles ist verschneit.

 

 

 

Ich träumte auch noch diesen Satz: In den blauen Sätzen liegt die Freiheit und im Meer die Sonne.

 

 

 

Donnerstag, 5. Juni 2008

 

 

 

Ich träumte von dem Tiroler Zahlenrad. Allerdings nicht als Zahlenrad sondern in anderer Form, nämlich in Form von gemalten Bildern, von Landschaftsbildern. Die Bilder waren in den entsprechenden Farben der Zahlen gemalt. Die Art der dargestellten Landschaft, ihre besondere Form, die gewählten Farben, all das zusammen stellte jeweils das Wesen eines bestimmten Menschen dar. Es waren sozusagen Seelenbilder. Ich kann mich an ein hohes Gemälde von einer weiten Landschaft mit Seen erinnern. Mit weiß, etwas blau, grün und gelb und rot.

 

 

 

Die blauschillernden Libellen fliegen wieder.

 

 

 

Samstag, 7. Juni 2008

 

 

 

Am Abend waren wir eingeladen. Auch ein Zauberer war anwesend, der die Gäste mit unglaublichen Kunststücken, vor allem mit Spielkarten, unterhielt. Fasziniert beobachtete ich ihn. Manches schien einfach unmöglich, unglaublich, besonders die Kartentricks. Einmal wurden wir aufgefordert, den Namen jeweils einer Stadt auf einen bunten Zettel zu schreiben. Die Zettel wurden zusammengefaltet, eingesammelt, kamen in eine Tüte, später zogen dann drei Personen aus dem Publikum jeweils einen Zettel aus der Tüte. Auf dem ersten stand nichts, auf dem zweiten Zettel stand der Name eines Ortes, den ich nicht mehr weiß, und auf dem dritten Zettel stand Madrid. Madrid stand dann auch wie von Zauberhand auf einer Schiefertafel, welche eine andere Frau aus der Gästeschar während dieser Zeit mit einer zweiten Tafel verdeckt hielt, die davor leer gewesen waren. Ich war während des Abends sehr begeistert. A war dann deshalb sehr gekränkt.

 

 

 

Sonntag, 8. Juni 2008

 

 

 

Ich träumte von den Zweigen der Weide am Bach. Ihre länglichen Blätter, sie waren auf einmal nicht mehr hellgrün, sondern rosa gefärbt. Die Weide hatte rosa Blätter. Wind wehte. Er kam von Osten und bog die biegsamen langen Weidenruten in westlicher Richtung. Manche der Zweige hatten auch gar keine Blätter mehr, hatten all ihre Blätter verloren.

 

 

 

Schlimme Kopfschmerzen und auch Bauchweh. Es schien, als würde sich den ganzen Tag über ein Gewitter zusammenbrauen.

 

 

 

Noch ein Traumbild: Da war ein kleines Mädchen, es saß rechts am Kopfende eines langen Holztisches. Es trug ein weißes ärmelloses T-Shirt und eine rosafarbene, kurze Hose. Und es hat eine goldene Krone aus Pappe auf seinem Kopf. Es sitzt in der Hocke, kommt noch nicht hoch.

 

 

 

Montag, 9. Juni 2008

 

 

 

Ein Kochherd, ein Gasherd, stand in der Mitte einer ansonsten leeren Arena. Einer Zirkusmanege, es war eine Zirkusmanege. Die Reihen mit den Zuschauern lagen im Dunklen. Über dem Herd war ein riesiges kegelförmiges Blumengesteck befestigt, es schwebte in einigem Abstand über dem Herd wie in der Luft. Dieses ungewöhnliche Blumengesteck bestand ganz und gar aus tiefroten, aus weißen und aus goldenen Rosenblüten und war bestimmt so groß wie der Herd. Da kam ein Kellner von rechts zum Herd geschritten und nahm eine rote Rosenblüte aus dem Rosengesteck, um sie jemanden, vielleicht seiner Liebsten, zu geben. Ein Traumbild.

 

 

 

Wieder starke Kopfschmerzen. Und wieder diese Schwüle, diese drückende Atmosphäre. Nahm Mittags eine Tablette, damit ich den Tag überstehen würde. Abends unendlich müde. Wenig später, als ich mich auf das Sofa gesetzt, war ich eingeschlafen.

 

 

 

Dienstag, 10. Juni 2008

 

 

 

Ein Traumbild von einem rosafarbenen Herzen, außenherum schwarzweiße Ranken. Und von olivgrünen Ostereiern mit vielen kleinen Osterhasen, die auf den Eiern herumkletterten.
Und ein Traum von Tibet:
In dem Ort, in dem ich liebe. Über allem liegt ein dicker Nebel. Doch dann verschwindet die Nebelwand langsam, die Sonne bricht durch, und ich sehe, daß unser Haus mit der Werkstatt in Wahrheit von unglaublich hohen Bergen umgeben ist, in Wahrheit also mitten im Himalaya liegen muß. An einem Ort, das von den höchsten Bergen begrenzt ist. Im Norden erhebt sich ein steiler Berg. Der Blick fällt in Richtung Osten. Dort ebenso. Herrliche Tempel erscheinen hier aus dem Nebel, der sich wie ein weißes Tuch wegrollt, wie eine weiße Wolkenwand. Es ist wohl ein Tempelberg - der Berg ist ein Tempel. Ich erinnere mich noch zwei hohe, stufige Tempelgebäude (wie zum Beispiel die hohen Tempeltürme in Ankor Wat) gesehen zu haben, in dieser leicht gebogenen Form, sie waren zu Füßen des steilen Berges. Das sah wunderschön und beeindruckend aus. Ich staunte sehr. Im Westen erhebt sich ebenfalls ein steil zulaufender Bergabhang, er ist bewaldet, voller Tannen. Und die Tannen tragen buntes Herbstlaub, sie sind teilweise rostbraun. Ich sah es ganz deutlich, die Sonne beschien es so. Es ist also Herbst. Indian Summer. Die Gipfel der drei hohen Berge sehe ich allerdings nicht, nur die steilen Bergabhänge. Vor dem Berg im Norden ist noch ein seltsames Gerät, etwas wie ein hoher, blausilbriger Kran aufgebaut, ein futuristischer Kranarm. Im unserem Hof leuchtet alles bunt und sonnenbeschienen und überall sind kleine Japaner, die den Hof und die Berge fotografieren. Ich ziehe im Hotelzimmer um. Und sammele dafür die beiden Katzen in dem einen Zimmer, in dem ich war, ein. Ich mußte noch über einen Spalt aus dem Zimmer heraus springen. Das Hotelzimmer lag sehr hoch. Aber jetzt gehe ich hinunter. Meine Mutter sitzt unten im Büro. Ich kann es kaum erwarten, die Gegend zusammen mit einer Jugendgruppe zu erkunden. Diese geheimnisvollen und wunderbaren Berge. Und bin voller Energie, mit der Jugendgruppe die Berge zu besteigen.

 

 

 

Die Seerose in der blauen Emailleschale hat gerade sieben wunderschöne Blüten, die zwischen den dicken glatten Blättern auf dem Wasser schwimmen.

 

 

 

 

 

 

Mittwoch, 11. Juni 2008

 

 

 

Ich habe auf die Frage vor fünf Jahren über die Bedeutung der Symbolik Dreieinigkeit (Vater, Sohn und Heiliger Geist) eine Antwort erhalten. Eine Antwort in dem Sinne, daß ich über die tiefe Bedeutung davon im Menschen las. Eine Antwort, welche aus dem Buddhismus kommt. - Denn es geht immer nur darum, um den Menschen selbst.
Und gleichzeitig ist da wieder eine Verbindung zum Isenheimer Altar.
Und zu meiner Lektüre im Sommer letzten Jahres.

 

 

 

Donnerstag, 12. Juni 2008

 

 

 

In der Nacht hatte sich der zunehmende Mond, welcher langsam über die Baumwipfel wanderte, auf einmal in eine große weiße Blüte am dunkelblauen Himmel verwandelt, die sich nach Osten hin geöffnet hat. Die Blüte erinnerte mich an die Blüte einer Anemone, einer Erdbeere. In ihrem Zentrum hatte diese ätherisch zarte und durchscheinend weiße Blüte einen hellgelben Kegel. Einen Keimkegel.
Wenn sich der Mond in eine Blüte verwandelt hat, das ist doch bestimmt ein gutes Zeichen, nicht wahr? Denn wo eine Blume ist, da sind auch Schmetterlinge und Bienen.
Ein Schiff fuhr auf dem Main, es hieß Morgenstern. Und da war ein großer Vogel im Wald, der wie in Zeitlupe ganz nahe vor mir von links nach rechts über die schmale Straße flog, auf der ich gerade fuhr. Eine Eule vielleicht. So etwas ist stets ein besonderer Augenblick.

 

 

 

Samstag, 14. Juni 2008

 

 

 

Eine Frau sagte sanft ein paar Worte in mein rechtes Ohr, so daß ich davon erwachte und schnell erstaunt laut “Ja?” in das dunkle Zimmer fragte, denn ich wollte sie auf keinen Fall verpassen. Gelb war ihre Farbe. Etwas in Form einer Triangel, gewebt aus hauchdünnem Faden.

 

 

 

 

 

 

Ich träumte noch, daß ich vor einer hohen Stufe stehe. Die Stufe ist so hoch wie ich oder noch höher. Sie ist wie aus grauem Beton und ich war wie ein kleines graues Männchen.

 

 

 

Schöne türkische Blüte

 

 

 

Sonntag, 15. Juni 2008

 

 

 

Ich träumte von einer nachtblauen Zimmercalla.
Und ich hatte einen Traum, daß ich mich tief in die Erde zu einer unterirdischen heißen Quelle begebe. Sie muß hier in der Gegend sein, denn zuerst befanden wir uns in einer Flur mit weiten Feldern und einem schmalen, rechts und links von Bäumen gesäumten alten Hohlweg. Und es war Sommer. Ein alter Jugendfreund war bei mir, der mich dorthinein begleitete. Er ging mit mir zu der Quelle. Das wunderte mich, während ich träumte. Ich glaube, der Grund war, er mag mich. Es war eine bekannte Heilquelle. Im Traum war es für mich ganz selbstverständlich dorthin zu gehen. Ein sehr langer Gang führte schräg immer tiefer in die Erde hinein. Ab und zu waren Türen, halbbogenförmige undurchdringliche Tore aus weiß lackiertem Eisen, die eher an eine Anstalt als an eine Kurklinik erinnerten, und wir mußten uns bücken, damit wir durchkamen. Vielleicht war es auch ein sehr sehr alter Gang und die Höhle wurde auf diese Weise, durch die Tore, vor unliebsamen Eindringlingen geschützt. Teilweise wurde es sehr eng. Was mich wieder, während ich träumte, gewundert hat, denn das Sanatorium war ja öffentlich. Allerdings waren außer uns keine weiteren Gäste zu sehen. Manchmal bekam ich Platzangst, wollte schon umdrehen, während wir durch die engen Tore krochen, uns klein machen mußten, doch mein alter Freund war bei mir und ich war auf einmal beruhigt, die Angst verflog. Ich bemerkte erstaunt, daß ich meinen dicken Wintermantel trug, einen braunen Daunenmantel. War also sehr warm angezogen. Das wunderte mich wieder. Denn es war Sommer und die Quellen waren ja auch warm, dorthin, wo wir gingen, würde ich den gar nicht brauchen, würde ich mich vielmehr erlöst von allen Kleidungsstücken befreien können, um dann in das warme und reinigende Wasser einzutauchen.
Schließlich gelangten wir in den Heilraum mit dem Wasser, das hier aus dem Felsgestein trat, einer tiefen Höhle. Rechts und links waren Wannen roh in den Stein gehauen. Diese Wannen waren mit dem warmen und klaren Heilwasser der Erde gefüllt. In die rechte Wanne würde ich mich legen. Mein Freund ließ sich, während ich darin lag oder liegen sollte, am Kopfende nieder, um mich dabei wachend anzusehen. Gleichzeitig stand ich noch in der Mitte des Raumes, der jetzt auch offen und weit und ohne begrenzende Felswände war. Ich dachte: Warum tut er das? Warum bleibt er bei mir? Ich machte mir Gedanken, da mich diese Situation an eine andere, ganz ähnliche, aus der Vergangenheit erinnert hat. Daß ich vielleicht spätere Erwartungen von ihm nicht erfüllen konnte. Ich ihm nicht die Gefühle entgegenbrachte, wie er mir, denn dieses Anblicken war irgendwie sehr offen und sehr fürsorglich. Er wachte im wahrsten Sinne des Wortes hingebungsvoll über mich, während ich mich in das Wasser legen würde.
Jetzt erkannte ich ein Hotel, einen Kurbetrieb, dort, wo der lange Gang gewesen war. Das Haus war gelb mit vielen kleinen Balkonen in Richtung der Höhle, wohl Zimmer für die Kurgäste. Wir befanden uns im Freien. Die Höhle glich eher einer Grotte. Der Bademeister kam an, ein dunkelhaariger, älterer Mann, der mir nicht sympathisch war, und ich versuchte ihm aus dem Weg zu gehen. Mein Freund erledigte das Nötige für mich mit ihm. In der Wanne an der linken Seite der Höhle lag ein Mann im Wasser zur Behandlung, erkannte ich auf einmal aus den Augenwinkeln. Der Mann trug, obwohl er im Wasser war, einen blauen Trainingsanzug mit weißen Paspeln und weißen Reißverschlüssen und das Seltsame war auch noch, daß er verkehrt herum, also nicht mit dem Gesicht nach oben, sondern mit dem Gesicht nach unten, im Wasser lag. Ich fragte mich, wie er in dieser Position atmete. Aber er war offensichtlich am Leben, obwohl sein Körper ganz regungslos in dem Wasser schwamm, das ihn gerade bedeckte. Trotzdem spürte ich bei diesem Anblick Beklemmung, denn das bedeutete wohl etwas, was mir während des Traumes noch nicht ganz klar war.
Da war dann eine blonde sportliche Frau, mit der ich mir ein Zimmer, das links auf halbem Wege des Ganges zu den Heilquellen lag, teilen würde. Diese Zimmer hatten keine Fenster, Toilette und Waschgelegenheit waren ebenfalls aus Kunststoff und befanden sich im Zimmer, waren in den glatten Wänden eingearbeitet, was den Eindruck von Enge und Eingeschlossen-Sein verstärkte. Das Zimmer der blonden Frau hatte zwei Betten, war etwas größer, und das meine nur ein Bett. Erst wollte ich deswegen etwas sagen, aber die Aufteilung war so bestimmt, deswegen schwieg ich dann. Eigentlich waren es zwei Zimmer, jede von uns hatte eines, aber dann war die Trennwand aus dickem weißem Kunststoff zurückgeschoben worden und ich fühlte mich nicht mehr so beengt, war etwas erlöst. Es waren auch noch Bekannte da, denn die Türe, der Zugang zu den Zimmern war offen und wir unterhielten uns.

 

 

 

Im Traum schob ich auch den Olivenbaum aus dem Treppenhaus durch die Türe vor das Haus. Ich sah, daß er noch drinnen stand und wollte ihn deshalb ins Freie tun. Da fiel mir auf, daß vom oberen Rand des Blumentopfs, in dem er wuchs, ein halbrundes Stück herausgebrochen war. Oje, dachte ich, der Topf ist ein bißchen beschädigt!

 

 

 

Das Geräusch, das entsteht, wenn der Wind die langen Grashalme bewegt und weit nach unten biegt, so daß sich diese sacht berühren.

 

 

 

Land der Steine

 

 

 

20080615-1

Rosenblätter schaukelten auf der Wasseroberfläche des Bächleins, das langsam entlang der Dorfstraße floß. Und weiße Blütensterne des Holunders. Sie ging und ging, und immer wieder kam ein Rosenblatt geschwommen, hing zwischen dem feuchten Tang oder tanzte auf den Wellen.
Was ist das nur, woher kommen all die zarten Rosenblätter?, dachte sie die Augen ständig auf das Wasser geheftet. Bis sie auf einmal vor einem mächtigen über und über mit rosafarbenen Blüten bedeckten Rosenstrauch stand, der so betörend duftete, daß ihr das Herz vor Sehnsucht sprang.

 

 

 

Im Wald. Ein schwarzgraues Eichhörnchen sprang plötzlich possierlich über den Weg, gerade als ich stehengeblieben war, an das Telefongespräch denkend, um für einen Augenblick still zu verweilen. Vögel sangen. Unzählige Vögel, Vogelstimmen, sie sangen. Melodien in der Stille. Das unmerkliche Rauschen der Baumwipfel. Wald, wie kannst du mir ganz nahe sein? fragte ich im Gedanken. Wie geht das, daß ich dich noch näher spüren, ich nicht so weit weg in mir verweile, sondern mit dir eins sein kann?
Da sah ich es.
Jetzt lächelte ich.

 

 

 

Montag, 16. Juni 2008

 

 

 

Wasserlinien. Rinnendes Wasser, entgegen der Schwerkraft, es floß nämlich langsam nach oben. Es rann aus der Bettdecke heraus nach oben. Unter der Bettdecke muß Wasser sein. Dort, wo ich liege.

 

 

 

Dienstag, 17. Juni 2008

 

 

 

Von den Ufern der Ferne hast du dein Lied aus Poesie mit meinem Herzen verwoben.

 

 

 

Mittwoch, 18. Juni 2008

 

 

 

Ich träumte von einer weiten Landschaften mit Bergketten am Horizont und einem rosafarbenen Himmel. Inmitten dieser Landschaft war eine geschwungene Straße, die von weit her führte. Zwei Autos kamen auf der Straße mit eingeschaltetem Licht hintereinander gefahren. Das Licht der Scheinwerfer war nicht gleißend hell, sondern glimmte eher gelb. Das Außergewöhnliche war auch, neben dem rosafarbenen Himmel, daß beide Autos durchsichtig, ganz durchscheinend waren.
Und ich träumte noch von einem Mann mit einem weißen Bart, der mir entgegen kam.

 

 

 

Donnerstag, 19. Juni 2008

 

 

 

Gestern war Vollmond. Genau um 18:30 Uhr, als auch unsere Tai Chi-Stunde begonnen hat. Die Sonne schien grell zwischen Wolken hindurch, es war schwül. Wir übten im Freien. Wir kamen auf das Thema Gedanken. Die Kraft von Gedanken. Von bewußten, positiven Gedanken. Wie ich meine Gedanken beherrschen könne, fragte ich dann. Zum Beispiel die negativen. Das ist ein großes Thema bei mir.
Doris hat mir ein Buch geschenkt. Ein schönes kleines Buch mit zwei getrockneten Rosenblütenknospen darin.
Wir waren noch zusammen etwas trinken, mit Blick auf dem Dom, zum Greifen nahe, was schön war. Und redeten u. a. weiter über dieses Thema. Wir wollen uns jetzt ab und zu auch an Sonntagen treffen um im Freien zu üben und auch ein wenig zu meditieren.
Eine kleine Schwalbe war am Morgen verletzt unter der Treppe gesessen. Etwas war mit ihren Flügeln. Sie ließ sich ohne Probleme fangen und ich trug sie auf die Dachterrasse, damit die Katzen sie nicht finden und fressen würden. - Schon neulich hat Yoda, der rote Kater, eine Schwalbe unten am Bach gefangen, was hier in diesem Haus für Katzen streng verboten ist. Stundenlang war er am Ufer im Sand wie eine Löwenstatue gesessen, nur einen Meter von der Stelle entfernt, an der die Schwalben ihren Lehm holen. - Um die Mittagszeit, als ich wieder nach der kleinen Schwalbe sah, war sie verschwunden. Vielleicht hat sie sich wieder erholt und ist weggeflogen, hoffte ich. Am Abend aber, als ich nach dem Tai Chi heimgekommen war, sprang Yoda durch die Haustüre nach draußen und nur einen Moment später hatte er etwas Dunkles zwischen seinen Zähnen. Es war die kleine Schwalbe. Als er sie für einen Moment losließ nahm ich sie und trug sie in meiner Hand geborgen in die Wohnung. Ich betrachtet sie, setzte sie vorsichtig auf einen Topflappen auf den Küchentisch. Nach einer Weile schleppte sie sich in Richtung Wand, versuchte auf die Espressomaschine zu klettern, die dort im Eck stand. Daraufhin nahm ich sie wieder behutsam in meinen Hand und sofort verhielt sie sich ruhig. Es schien ihr zu gefallen. Es war wohl die Wärme, vielleicht auch das Gefühl der Geborgenheit, des Umschlossen-Seins. Meine Hand war ihr Nest. Ich versuchte sie zu füttern. In meiner Not versuchte ich es mit Milch, gab ihr ein paar Tropfen, die ich von meinem Finger über ihren Schnabel rinnen ließ, dann in Milch eingeweichte winzig kleine Brötchenkrümel. Sie öffnete tatsächlich ihren Schlund, so als wäre ich ein Elternvogel, und fraß eine winzige Menge. Nach einer Weile wollte ich sie wieder absetzen, damit ich meine Sachen für den nächsten Tag richten konnte. Ich durchsuchte dafür den Dachboden zuerst nach einem alten Käfig, der einst meiner Schwester gehört hatte. Sie bekam ihn einmal zusammen mit Zebrafinken geschenkt. Doch sobald ich die kleine Schwalbe langsam auf das weiche Tuch auf dem Käfigboden setzte, den ich davor in der Dusche vom Staub gesäubert hatte, versuchte sie das Gitter hochzuklettern, wobei sich ihre verletzten Flügel verhakten. Nahm sie daraufhin wieder in meine Hand. Schwalben gehören nicht in einen Käfig. Daß ich mit ihr ständig umherging, schien ihr nicht das Geringste auszumachen. Auch das elektrische Licht schien sie nicht zu stören. Irgendwann setzte ich mich müde auf die grüne Bank im Korridor und überlegte. Betrachtete das arme kleine Tier, daß ich immer noch vorsichtig in meiner Hand umschlossen hielt. Ihr Gefieder am Kopf glänzte wunderschön blau und schwarz. Morgen, wenn du noch lebst, kann ich die Tierärztin anrufen. Vielleicht weiß sie einen Rat. Was soll ich nur tun? dachte ich immer wieder. Soll ich die kleine Schwalbe in der Nacht auf der Terrasse lassen. Aber nur wie und wo? In einer Schachtel? Oder soll ich sie einfach unter den Salbeistock setzen? Schließlich tat ich sie doch wieder in den Käfig, tat sie auf das Tuch, das ich in lockere Falten gelegt hatte, damit sie sich geborgen fühlen konnte, stülpte schnell den runden Käfig darüber und löschte dann das Licht. Nach einer Weile öffnete ich die Türe wieder etwas, um nach dem Rechten zu sehen. Sie hatte sich nicht mehr bewegt, saß immer noch auf dem Boden. Ich legte mich ins Bett. Müde schlief ich ein. Um fünf weckten mich die Katzen und ich fütterte sie. Die Türe zum Badezimmer, in dem der Käfig stand, öffnete ich noch nicht. Legte mich noch einmal hin. Um sechs stand ich schließlich auf. Bereitete das Frühstück, erledigte erst alles mögliche andere, lüftete, räumte etwas auf, und so weiter, bevor ich langsam und mit einem komischen Gefühl im Bauch die Klinke zur Badezimmertüre niederdrückte. Da saß die kleine Schwalbe mit ausgebreiteten Flügeln auf dem Boden des Käfigs. Das war nicht gut. Die ausgebreiteten Flügel. Nicht gut. Wenn ein Vogel so dasitzt. Gar nicht gut. Ich hob den Käfig und nahm die kleine Schwalbe wieder vorsichtig in meine Hand. Ob sie etwas fressen wollte? Ein winziges Stück von dem feuchten Katzenfutter, von der Gelatine? Sie mochte nichts. Einen Tropfen Milch? War apathisch. Auch hielt sie ihren Kopf anders, irgendwie mehr verrenkt. Mein Freund beobachtete mich skeptisch und hielt einigen Abstand von mir.
Dann, auf einmal, legte die kleine Schwalbe sacht ihren kleinen Kopf auf meinen Finger, so als ob sie schlafen wolle. Und ich wußte, daß es jetzt soweit war, daß sie jetzt starb. Sie starb in meiner Hand.

 

 

 

Am Vormittag hab ich jemanden getroffen, einen alten Freund. Ganz unerwartet und überraschend. Ich sah ihn schon durch die Fensterscheibe, doch ich erkannte ihn nicht. Dann aber, als ich durch die Türe nach draußen trat, schon. Und ich ging einfach an ihm vorbei, flotten, geschäftigen Schrittes, einen schnellen Gruß murmelnd, ein Lächeln auf den Lippen, so, als ob nichts wäre, er irgendein unverbindlicher Bekannter wäre, anstatt kurz stehenzubleiben und ein paar Worte zu wechseln. Er antwortete mit einem verwunderten Laut - einem Laut, nicht spöttisch, auch nicht ungläubig, aber er traf irgendwie.
Ich hätte etwas erklären können. Es wäre wichtig gewesen.
Ich saß dann noch im Wagen. Schämte mich, auszusteigen und draußen zu warten, bis er vielleicht wieder aus dem Gebäude käme. Dann ging ich doch hinein, sah ihn aber nicht mehr.
Ich weiß nicht, warum ich mich so seltsam verhalte. Ganz verdreht. Ich nicht dazu stehe. Daheim suchte ich im Telefonbuch nach der Telefonnummer. Erst beruhigte ich mich damit. Daß ich ihn ja noch anrufen und mit ihm reden kann, zum Beispiel am Abend. Doch ich fand keine Nummer. Und damals, vor Jahren, habe ich sie nicht richtig aufgeschrieben.
Dann vergaß ich es wieder, im Laufe der Hektik des Tages.

 

 

 

Abends war goldenes Licht am Bach. In dem Licht, das besonders unter den Ästen der beiden Birken war, tanzten Mückenschwärme. Im Abendhimmel waren zig blaue Federn gemalt, kreuz und quer, vor einem Schimmer von Rosa.

 

 

 

Freitag, 20. Juni 2008

 

 

 

Eine rote Rose und ein Asparagus-Zweig schwebte von der Decke herab. Frauenhaar. Beide schwebten mitten im Zimmer, um dann schwebend durch das Fenster nach draußen zu entschwinden.

 

 

 

An der Nordseite des Hauses haben wir heuer dreißig Schwalbennester, und an der Südseite sind es fünf. Es sind so viele wie noch nie.

 

 

 

Samstag, 21. Juni 2008

 

 

 

Klang-Spiel mit deinen Augen
Wiedererkennen der Symphonie.

 

 

 

 

 

 

Am letzten Wochenende lauteten zwei Überschriften zu Artikeln in der Zeitung so: Marine soll Piraten jagen dürfen und eine andere: Bush und Merkel drohen dem Iran.

 

 

 

In der Türkei haben wir zum Spaß manchmal im Kaffeesatz gelesen. Oder es versucht. Der Professor zeigte uns, daß man dazu die kleine filigrane Porzellantasse mit dem Satz des türkischen Kaffees darin mit einem Zug umdrehen und auf den Unterteller stellen müsse. Etwas warten und hochheben. Man kann dann auch noch den Unterteller senkrecht halten und sehen, was für ein Bild der herabrinnende Kaffeesatz einem zeigen würde.
Hier ein kleiner Hund mit Flügeln, ähnlich dem Löwen vom Markusplatz in Venedig, und ein südländischer Baum auf der Innenseite der Tasse. Der kleine geflügelte Hund fliegt zu der flammenden Zypresse.

 

 

 

Sonntag, 22. Juni 2008

 

 

 

Ausblick aus dem Fenster

 

 

 

 

Ich schlug das Büchlein auf und las:
Zu suchen nach dem, was dich im Inneren an
Fehlern erfüllt,
   ist besser für dich, als zu suchen nach dem,
   was dir an Mysterien verhüllt.

(Ibn Ata Allah)

 

 

 

Spiegel

Wir übten an einem Platz am Fluß, der still dahinfloß, auf einem Wiesenstück unter hohen Bäumen. Radfahrer fuhren vorüber, fuhren vom Baden nach Hause. Enten quakten, landeten in langen Bahnen unendlich langsam auf dem glatten und dunklen Wasser. Licht floß gleißend durch das hellgrüne Blattwerk der Bäume und malte Schatten. Zu Beginn regnete es einmal, obwohl die Sonne schien. Es regnete lautlos vor der stahlblauen Wolkenwand, so daß man es kaum wahrnahm. Beim Blick durch die halbgeöffneten Augen verwandelten sich die Wimpern an den Lidern in flirrende Regenbögen, die das Gesehene zitternd umkränzten. Grün ist dein Land mit deinen Augen darin. Blaue Seen, in welchen Smaragde sind. - Gestern Abend, als ich am Schreibtisch saß, kam Yoda, der rote Kater, zu mir gesprungen und sah mich lange an. Im Halbdunkel des Zimmers leuchteten seine Augen rund; phosphorblau in einem Ring von grün. Normalerweise sind sie ganz hell, hellgrün, mit schwarzen Rauten darin. - Handherzen heben und senken sich, aneinandergeschmiegt, doch nicht sich jemals berührend. Lautlos im Nichts schwebend. Ein Vogel singt.

 

 

 

Auf den Heimweg

 

 

 

Montag, 23. Juni 2008

 

 

Ich habe geträumt, daß ich mit meinen beiden Beinen in etwa bis zu den Waden oder zu den Knien in einem klaren Wasser stehe, in dem unzählige Fische schwimmen. Forellen, lauter Forellen. Sie schwammen mir um die Beine.

 

 

 

Am Bach spielt das Licht mit dem Wasser und dem Schilf.
Oder spielt das Schilf und das Wasser mit dem Licht?

 

 

 

 

 

 

Dienstag, 24. Juni 2008

 

 

 

 

 

 

Auszug aus der Chronik der Blumen:
Wir wachsen bei Tag und bei Nacht dem Himmel entgegen.

 

 

 

Mittwoch, 25. Juni 2008

 

 

 

Der Geruch des Sommers ist Gelb, vor allem, wenn das Licht des Mittags über die Getreidefelder streicht.

 

 

 

Rosa

 

 

 

Mit der Zeit habe ich das Gefühl, daß das Üben der Tai Chi-Form mehr Gehalt bekommt, mehr “Volumen”. Irgend etwas scheint zu wachsen oder besser sich zu verdichten, auch wenn mir manches schwer fällt und ich keine Sportskanone bin. Es ist etwas, was mit dem sportlichen Aspekt nichts zu tun hat.
Heute waren wir nur zu fünft. Wir übten oben auf dem Sportplatz des Heimes, mit Blick auf den alleinstehenden großen Kirschbaum, der voller überreifer dunkelroter Herzkirschen hing, die niemand erntete.
Einmal setzte sich unser Lehrer ins Gras und ließ uns vier die Form, soweit wir sie bisher gelernt haben, ohne ihn praktizieren. Plötzlich stand ich alleine links vorne an der Spitze, denn normalerweise übt er direkt vor mir. Und gleich waren die Schritte sehr viel holziger, ich sehr viel unsicherer, als fehlte da etwas. Ich glich einem ungelenken Stock, fühlte mich beobachtet, vermißte seine Gegenwart. Aber es war gut, gerade deshalb, weil ich dadurch auf mich selbst zurückgeworfen war, denn die anderen waren ja hinter beziehungsweise rechts von mir und ich konnte nicht sehen, was sie taten und ob ich das Richtige tat.
Zum Abschluß standen wir noch eine Weile im Baum. Die Abendsonne strahlte golden zwischen den grünen Hügeln der Stadt. Er sagte, daß da auch ein kleines Kind in dem Energieball vor unserem Bauch sein könne, den wir in unseren Händen hielten, daß wir uns das vorstellen könnten. Ein Baby, das wächst und wächst und gedeiht, wie eine Blume, etwas ganz Liebes. Ich dachte an das Traumbild mit dem schlafenden rosafarbenen Engel. Und dann sprach er auch noch von einem Bereich in uns. Einem Raum, wo wir Zuhause sind. Da war etwas in mir auf einmal sehr froh und tat einen Sprung.
Er ging leise von einem zum anderen und prüfte die Haltung und den Stand. Stupste mich an der Wirbelsäule, am rechten Oberarm und am Brustbein leicht an. Er wollte sehen, wie ich reagiere. Ein paar Mal, da war ich nicht in meinem Kopf, nicht mit irgendwelchen Bedenken, mit Scham oder hektischen Gedanken beschäftigt, sondern bei mir selbst. Ich reagierte richtig und blieb fest, gab nicht von vorne herein seinem leichten Stoß sofort nach oder wich schnell in die entgegengesetzte Richtung aus, wie ich es sonst oft instinktiv tat. Hatte den richtigen Stand. Ich begann den Unterschied zu spüren, was das ausmachte, ob ich bei mir selbst war, “selbstbewußt” im wahrsten Sinne des Wortes, verwurzelt wie ein Baum in der Erde, oder “im Kopf”.
Ich hatte den Eindruck von mehr Fülle, von mehr Präsenz, auch innerhalb der Gruppe, von einer Art Präsenz, welche die Gruppe durch das gemeinsame Üben der Form erschaffen kann. Ein Gleichklang. Man schwingt miteinander, stellt sich aufeinander ein und erzeugt dadurch etwas. Es war irgendwie besonders, fast wie etwas Heiliges. Eine Energie vielleicht. Ich glaube, daß es den anderen ähnlich ging, denn hinterher sprachen wir nicht viel, schienen auch die anderen diese, ich weiß nicht, wie ich es bezeichnen soll, diese “Präsenz” fast ehrfürchtig wahrzunehmen.

Auf den Weg nach Hause hielt ich am Rande eines Feldweges und stieg aus, um ein wenig durch die wogenden Kornfelder zu gehen und zu fotografieren. Das war immer noch sehr intensiv.

 

 

 

 

 

 

Donnerstag, 26. Juni 2008

 

 

 

Regenmutter

 

Heute zog diese Wolke gleich einem riesigen Vogel mit ausgebreiteten Schwingen über das Haus. Sie zog nach Osten. Das ist eine Regenmutter, sagte meine Mutter zu mir.

 

 

 

Wind spiegelt Baum im Glas der Türe, die nach Innen führt.

 

 

 

Freitag, 27. Juni 2008

 

 

 

 

 

 

Ich fand ein schönes Gedicht:

 

Mein Herz, der Vogel der Wildnis,
hat seinen Himmel in deinen Augen gefunden.

Sie sind die Wiege des Morgens,
sie sind das Königreich der Sterne.

Meine Lieder haben sich verloren in ihre Tiefen.

Laß mich nur auffliegen in diesen Himmel,
in seine einsame Unermeßlichkeit.

Laß mich nur seine Wolken teilen und
die Schwingen breiten in seinem Sonnenschein.

Tagore

 

 

 

Wir zwei...

 

 

 

Samstag, 28. Juni 2008

Etwas, das weit oben hängt. Wohl für mich. An der Zimmerdecke. Hoch beflügelt ist. - Ist das so?
Des Herzens Lehre.

 

 

 

Sonntag, 29. Juni 2008

 

 

 

Die kleine Bachstelze tanzt mitten im Hof. Der Oleander, der rosa blüht, duftet.

 

 

 

Wissen Sie, Rosa, das ist ein Lied.

 

 

 

Montag, 30. Juni 2008

 

 

 

Aus dem weißen Kies auf dem Dachgarten sind rosafarbene Petunien gewachsen, träumte ich. Sie stehen vereinzelt, eine jede für sich.

 

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